Noten – Zeugnisse

Die Bereiche Notengebung und Bewertung sind sehr sensibel und wir Lehrkräfte sind uns unserer Verantwortung auch hier bewusst. Natürlich kommte es dabei auch immer wieder zu Rückfragen, auf die wir auch gerne eingehen. Wichtig muss uns allen dabei aber sein, dass diese Rückfragen möglichst zeitnah und im direkten Gespräch stattfinden. Somit schaffen wir dann die Grundlage für ein vertrauensvolles und offenes sowie wertschätzendes Miteinander.

Zeugnisse stellen zu bestimmten Zeiten des Schuljahres (Leistungsbericht in der vierten Klasse, Zwischen-, Übertritts- und Jahreszeugnisse) einen Überblick zum aktuellen Leistungs- und Verhaltensstand dar. Daneben sollen Zeugnisse aber auch Hinweise auf die Möglichkeit zur individuellen Weiterarbeit geben.

Gerade der zweite Aspekt - und der Umstand, dass Zeugnisse für das einzelne Kind von der Formulierung her oft schwer zu verstehen sind - hat dazu geführt, dass wir statt der Zwischenzeugnisse auch sogenannte „Lernentwicklungsgespräche“ mit Kind in Anwesenheit mindestens eines Elternteils anbieten, was aber nur in den Jahrgangsstufen 1-3 möglich ist. Diese Gespräche finden kurz vor dem Zwischenzeugnis-Termin statt und dauern ca. eine halbe Stunde. Sie dienen dazu, die Beurteilung durch die Lehrkraft für alle Beteiligten verständlich zu machen. Besonders daran ist auch, dass das Kind, gemeinsam mit den Eltern, eine Selbsteinschätzung erstellt, die mit der Einschätzung der Lehrkraft verglichen wird. Am Ende dieses Gesprächs wird dann eine Zielvereinbarung erstellt, mit der individuell weitergearbeitet werden soll.

 

Allgemeines der Notengebung

Lehrkräfte sind bei der Notengebung, zum Wohle der Kinder, weitgehend souverän. Dazu sagt der Artikel 52, Absatz 3 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes: „Unter Berücksichtigung der einzelnen schriftlichen, mündlichen und praktischen Leistungen werden Zeugnisse erteilt. Hierbei werden die gesamten Leistungen eines Schülers unter Wahrung der Gleichbehandlung aller Schüler in pädagogischer Verantwortung des Lehrers bewertet.“

Weiterhin gilt, nach einem Urteil des BayVGH vom 17.5.1995, dass Wünsche von Klassenelternsprechern und Elternbeiräten auf beratende Mitwirkung bei der Notengebung keinesfalls erfüllt werden können. Die Notengebung ist ausschließliche Aufgabe des zuständigen Lehrers. Erziehungsberechtigte und Schüler haben aber natürlich ein Recht darauf, dass Korrektur und Bewertung transparent und nachvollziehbar sind.

Die Anforderungen der Probearbeiten müssen sich in der Grundschule aus dem unmittelbaren Unterrichtsverlauf ergeben. Dabei soll natürlich vermieden werden, dass für die Grundschüler „Prüfungssituationen“ mit problematischen psychologischen Auswirkungen entstehen. Es wird bei Probearbeiten aber nicht ausgeschlossen, dass früher erlerntes Grundwissen geprüft wird. Für Rechtschreiben und Mathematik gilt das ohnehin, ebenso aber auch für andere Fächer (z.B. HSU). In der Grundschule darf an einem Tag nur eine Probearbeit, in der Woche sollen nicht mehr als zwei Probearbeiten abgehalten werden (§ 43 Abs. 2 Satz 4 VSO).

In der 1. Jahrgangsstufe werden keine Probearbeiten geschrieben. Das bedeutet nicht, dass keine Leistungserhebungen durchgeführt werden dürfen. Sie sollen sich aber auf ein Mindestmaß beschränken und weniger als Leistungskontrolle, sondern vielmehr als Leistungsanreiz empfunden werden. Im ersten Halbjahr der 2. Jahrgangsstufe werden diese Probearbeiten ebenfalls nicht benotet, sondern mit Bemerkungen versehen.

Grundsätzlich sehen wir das Ziel von Leistungserhebungen (neben der vorgeschriebenen Bedeutung für Versetzungen und den Wechsel an weiterführende Schulen) in der Belohnung des einzelnen Kindes für seine Arbeit, in der Motivation für den weiteren Einsatz und in der Überprüfungsmöglichkeit für die Lehrkraft, ob eine Stoffbereich soweit erfasst und gefestigt ist, dass darauf aufgebaut werden kann. Wichtig ist auch, dass Eltern die Leistungen in den Probearbeiten mit den Kindern besprechen und dann gemeinsam zu analysieren versuchen, wie es zu diesem Ergebnis kam. Bei Unklarheiten empfiehlt sich zudem immer ein Gespräch mit der jeweiligen Lehrkraft.

 

Gestaltung von Probearbeiten

Der Deutsche Bildungsrat (Strukturplan für das Bildungswesen) spricht in diesem Zusammenhang von vier Anforderungsstufen:

(1) Reproduktion = Wiedergabe gedächtnismäßig verankerter Sachverhalte
(2) Reorganisation = selbstständige Verarbeitung des vorher gelernten Stoffes
(3) Transfer = Übertragung von Grundprinzipien des Gelernten auf neue ähnliche Aufgabenstellungen
(4) problemlösendes Denken = Lösen von Aufgaben mit relativ neuen Strukturen in kreativer Weise

In der Praxis bedeutet diese Vorgabe, dass Schüler, die in HSU nur auswendig Gelerntes fehlerfrei wiedergeben können, die in Deutsch nur geübte Nachschriften fehlerlos schreiben oder in Mathematik keine schwierigen Sachverhalte lösen können, erhalten bestenfalls die Note „befriedigend“.

 

Bedeutung der einzelnen Noten

(Aussagen des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung)

Note Bedeutung
1 Die Leistung entspricht den Anforderungen in besonderem Maße.
Alle vier Stufen sind erfüllt, die Lösungen erfolgten besonders rasch, sicher und in tadelloser Darstellung.
2 Die Leistung entspricht den Anforderungen.
Alle vier Stufen der Leistungsanforderungen sind sicher erfüllt.
3 Die Leistung entspricht im Allgemeinen den Anforderungen.
Die Leistungen entsprechen den Anforderungen im Allgemeinen.
Das Reproduzieren und Reorganisieren gelang weitgehend fehlerfrei, beim altersgemäßen Transferieren und Problemlösen zeigten sich aber Schwierigkeiten.
4 Die Leistung weist zwar Mängel auf, entspricht aber im Ganzen noch den Anforderungen.
Bei der Reproduktion und der Reorganisation traten noch Fehler auf.
5 Die Leistung entspricht nicht den Anforderungen, lässt jedoch erkennen, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind.
Es traten erhebliche Schwierigkeiten in den Grundkenntnissen auf, diese Lücken können aber in absehbarer Zeit geschlossen werden.
6 Die Leistung entspricht nicht den Anforderungen und lässt selbst die notwendigen Grundkenntnisse nicht erkennen.
Die Grundkenntnisse sind so lückenhaft, dass sie voraussichtlich auch in absehbarer Zeit nicht geschlossen werden können.
(Art. 52 - 2 BayEUG)

 

Natürlich orientiert sich die Leistungsbewertung (= Note) am Notenschlüssel. Das kann dazu führen, dass mit entsprechend niedriger Punktezahl bei einer schriftlichen Leistungserhebung eine Note vergeben wird, obwohl das Kind vorher einen höheren Leistungsstand zeigte.

Es gibt für die Schule dabei keinen allgemein verbindlichen Notenschlüssel.

Auch bei uns gibt es keinen allgemein verbindlichen Notenschlüssel, wohl aber Absprachen bezüglich der Gestaltung von Probearbeiten und eines Notenschlüssels innerhalb der einzelnen Jahrgangsstufen. Eine vorgegebene Gleichschaltung von Leistungskontrollen und des Notenschlüssels würde bedeuten, dass alle Kinder in ihren Möglichkeiten gleichgesetzt werden, was wir aber ganz bewusst nicht tun. Wir wollen die Kinder dort abholen, wo sie gegenwärtig stehen – und wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, dorthin zu kommen, wo sie hinwollen. Daher gestalten die Lehrkräfte nicht nur den Unterricht, sondern auch die Leistungsmessung auf das einzelne Kind und die jeweilige Klasse bezogen, pädagogisch verantwortlich und kompetent. Jede Lehrkraft orientiert sich dabei natürlich an den Vorgaben des Lehrplans oder eines individuellen Förderplans.